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Riten und Traditionen

Es gibt vielerlei Überlieferungen aus den verschiedensten Richtungen und Wendungen der Sagen der einzelnen Clans. Sie alle im Einzelnen aufzuzählen wäre wahrlich ein Werk von immenser Größe und Zahl. Ich fasse euch die Wichtigsten und von allen Clans angenommen Riten und Traditionen kurz zusammen.

Das Recht und der Respekt der Seefahrer

Da ohne die Seefahrt auf Solunteria nichts funktionieren würde, haben die Seefahrer einen ganz besonderen Stand erlangt. Sie werden - wie die Paladine festländischer Orden - verehrt und mit der dafür nötigen Ehrfurcht behandelt. Neben den Kriegerclans sind die zur See fahrenden Clans die Ruhmreichsten auf Solunteria.

Ein jeder der zur See gefahren ist und diese bezwungen hat wird von allen Solunterianern als Herrscher eines Hauses oder auch eines Clans anerkannt. Niemand würde es wagen die Position eines Oberhauptes in Frage zu stellen, falls dieser nicht auf See den Respekt der Seefahrer erworben hat. Nur ein Oberhaupt welches sich diesen Respekt verdient hat kann und darf ein Haus führen. Ohne diesen Respekt wird dieses Haus nicht als eines der Herrscherhäuser anerkannt.

Ausfahrt und Heimkehr

Bei den solunterianischen Seefahrern, dem Clan der Khan´hal, herrscht die eigentümliche Vorstellung, dass sie von einem zu langen Aufenthalt am selben Ort verunreinigt werden, welche sie aber nicht näher erläutern können. Bei der Heimkehr muss der ganze Clan als erstes ein Badehaus des eigenen Clans aufsuchen um die unzähligen rituellen Waschungen durchführen zu können. Die dabei vollzogenen Waschrituale sind von großer Bedeutung, um von der Gemeinschaft überhaupt wieder aufgenommen werden zu können. Es wird vereinzelt auch von Morden innerhalb des Clans gemunkelt, weil angeblich bestimmte Waschriten falsch umgesetzt wurden. Einige Anzeichen weisen drauf hin, dass dieser Brauch von der ersten Ankunft (vermutlich während der dunklen Zeit der Wanderer) herstammt und mit dem Geruch der überaus Schwarz- und Grünpelze zusammenhängen könnte. In einigen Sagen dieses Clans ist die Rede davon, dass unbedachte Jäger eine Fährte für die Schwarz- und Grünpelze legten, weil sie in deren Kot getreten waren. Bestätigen können wir diese Sage allerdings nicht.

Geburt und Namengebung

Für den Solunterianer ist die Geburt eines Kindes ein Ereignis von besonderer Bedeutung. Angesichts des gefährlichen Lebens zur See sind viele Kinder unerlässlich, um die nötige Mindestgröße eines Clans zu gewährleisten. Ein Clan ohne ausreichenden Nachwuchs ist gezwungen, seine Identität und seine Existenz aufzugeben und in einem anderen Clan aufzugehen.

Doch erst mit der Namengebung wird das Kind in den Familienkreis des Clans aufgenommen; häufig geschieht dies erst Monde nach der Geburt, vor allem wenn ein Clan länger auf See war. Bei dem Namensfest, bei dem der ganze Clan zu einem großen Gelage zusammenkommt, verkünden Vater und Mutter, den Namen des Kindes. Typische Namen eines Solunterianers bestehen fast immer aus zwei kurzen Silben, welche sich einfach aus den Vorsilben der elterlichen Vornamen zusammensetzen. Ein Zweitname ist nur den Obersten eines Clans – den Trägern der Blutnamen - gestattet.

Welches der beiden Elternteile dem Kind seinen Namen mitgibt, muss angesichts der jeweils unterschiedlichen Clanregeln und wegen der Gleichberechtigung zwischen männlichen und weiblichen Wesen allerdings erst bestimmt werden. Jeder einzelne Clan unter den Solunterianern hat seine eigenen Riten zur Namensgebung und die wenigsten davon sind der Allgemeinheit bekannt. Natürlich kann auch einer der beiden Eltern auf das Privileg verzichten; aber welcher stolze Solunterianer würde das schon freiwillig tun? So kommt es meist zu einer typischen solunterianischen Entscheidung, einem Ringkampf – dem Recht des Stärkeren - zwischen Mutter und Vater, im trauten Kreis des Clans!

Hochzeit

In der Liebe sind die Solunterianer genauso wie im Kampf: Was sie sich in den Kopf gesetzt haben, müssen sie erobern. Es gibt Dutzende mitreißender Liebesgeschichten, in denen Held oder Heldin einen anderen voll Liebesglut verfolgen, und sich nicht durch eindeutige Worte, zugeschlagene Türen und Schläge auf den Kopf abhalten lassen. Die Lösung, mit der oder die Geliebte schließlich überzeugt wird, ist stets eine unwiderstehliche Kombination aus Ausdauer, Kraft, List und großem Glück - eben jener Eigenschaften, die (nach Meinung der Solunterianer) einen echten Solunterianer ausmachen. Die Birke gilt wegen ihrer weißen Rinde als besonderes heiliges Schutzsymbol, und der Kuss unter einem blühenden Birkenzweig ist die traditionelle Form des Verlöbnisses. Üblicherweise bleibt es im Birkenhain nicht nur bei einem Kuss. Die Eheschließung ist ausschließlich Sache der beiden Liebenden, und erst wenn sich der Nachwuchs ankündigt, kommt es zur offiziellen Hochzeit.

Dieses Fest ist auch wieder eines jener im Kreis des Clans, die sich wie eine Perlenschnur durch das Leben eines Solunterianers ziehen. Die Brautleute werden mit symbolischem Schmuck, der vor allem aus Birkenrinde (Treue), Bernstein (Liebe) und Hörnern (Manneskraft) besteht, über und über verziert. Der Großteil der Bräuche besteht darin, dass die übrigen Jungmänner und Jungfrauen symbolisch ein letztes Mal versuchen, die beiden zu trennen, und aus Glückwünschen für das Paar.

So kommt es etwa zu Überfällen von den drei besten Freundinnen der Braut, die den Bräutigam verschleppen, zu Aufmärschen der Männer, welche die Braut mit Geschenken umwerben (die im Prinzip als Hochzeitsgeschenke gedacht sind), und zu ständigen Trinksprüchen durch die Älteren auf die Manneskraft des Bräutigams - in allen erwähnten Fällen ist das Geschlecht übrigens nebensächlich: Auch die Braut wird gefesselt, von dannen geschleppt, usw.

Landnahme und Hausbau

Hier regiert nach alten Überlieferungen das Recht des Stärkeren. Wenn sich zwei Clans, zwei Wesen, zwei Kontrahenten nicht einig sind, wird mit einem Ringkampf der Stärksten eines jeden Clans das Recht auf das Land entschieden.

Bestattung

Es ist ein weit verbreitetes Gerücht, dass die Solunterianer sich einen Tod im Kampf wünschen und sich vor einem friedlichen Tod fürchten. Wenn überhaupt, so wollen sie nicht allein sein, wen es geschieht: Ob im Kampf oder in seinem Haus - der Solunterianer möchte seinen Clan bis zum letzten Augenblick um sich haben.

Zur genauen Form des Jenseits haben die Solunterianer wenig zu sagen: Im Wesentlichen gehen sie davon aus, dass ihre Toten nach der Bestattung im Meer zum Göttlichen fahren und für alle Zeiten über das Meer ziehen.

Alle Bestattungen werden von allen Clans auf die gleiche Art und Weise vollführt. Der Leichnam wird genau drei Tage lang aufgebahrt, damit sich jedes Mitglied seines Clans von ihm Verabschieden kann und seine Wünsche zum Göttlichen ihn begleiten können. Meist wird der Leichnam auf einem brennenden Schiff auf das offene Meer geschickt um dort das Göttliche zu treffen. Eine Beisetzung in der Erde setzen die Solunterianer einem ewigen Kerker gleich, welcher sie daran hindert das Göttliche in der Weite des Meeres zu finden.

Besondere Waffen und Rüstungen

Zum Bild eines typischen solunterianischen Söldners gehören nicht nur eine Feldflasche voll Met, zahlreichen Tätowierungen und bunt zusammen gewürfelte Kleidung, sondern auch mindestens eine gefährlich aussehende Axt. Die meisten solunterianischen Söldner haben gleich zwei oder noch mehr Äxte auf ihren Reisen dabei.

Neben Säbeln und Entermessern fremder oder eigener Machart sind bei allen Solunterianern - egal, ob Söldner, Kopfgeldjäger oder Kauffahrer - Äxte, Schwerter und auch Speere sehr beliebt. Solunterianische Schwerter sind meist reich verziert und mit zauberkräftigen Zeichen versehen - wie viele andere Waffen übrigens auch - und manchmal auch ohne Parierstangen ausgeführt. Wenn Solunterianer in die Schlacht ziehen, sind sie meist nur mit Hose oder Rock und Stiefel oder lederumwickelten Gamaschen bekleidet. Tätowierungen und Körperbemalungen tun ein Übriges, um die Bewohner der überfallenen Dörfer der Schwarz- und Grünpelze oder auch andere Feinde angsterfüllt ins Landesinnere flüchten zu lassen.

Schwere Rüstungen sind den Solunterianern zwar nicht unbekannt, sie sind aber - wegen der eingeschränkten Beweglichkeit, vor allem an Bord von Schiffen - auch nicht sonderlich beliebt. Reichere Solunterianer - vor allem Handel treibende - bevorzugen leichte Schuppenpanzer, bei denen handtellergroße Metallplättchen auf weiches Leder aufgenäht sind. Eine andere, häufig anzutreffende  Rüstungsart ist die Krötenhaut, die ebenfalls aus weichem Leder besteht, dass dicht mit schweren Nieten bedeckt ist und vor allem von zu Lande reisenden Solunterianern gerne benutzt wird.

Kettenhemden werden nur von den reichsten Clans und nur auf dem Festland getragen. Häufiger zu finden sind Helme, auch mit Nasen- und Wangenschutz, in den seltensten Fällen jedoch mit Hörnern. Zur weiteren Grundausrüstung gehört ein mindestens halben Schritt durchmessendes Schild, dessen Rand eisenbeschlagen und dessen Holz mit grellen Ornamenten oder mit dem Zeichen der Macht (Symbole des Göttlichen) versehen ist.

Trophäen

Alle Solunterianer sind begeisterte Trophäensammler: Vor allem sind dies Hörner und Reißzähne, die als Symbol der Stärke gelten, faszinierende Schädel für den Schmuck des Hauses, Felle, Pelze und Tuche für die kalte Jahreszeit. Auch ist es Ehrensache, eine der Waffen eines getöteten starken Gegners an sich zu nehmen. Darüber hinaus kann der Sammeltrieb des Solunterianers aber auch seltsame Blüten treiben: Bunte Federn, die zu Fächern gesteckt werden, Pfeilspitzen, die man aus dem eigenen Körper gezogen hat, oder goldene und eiserne Ketten jeder Größe. In Bernstein auf dem Festland soll es sogar eine Wirtin solunterianischer Abstammung geben, welche die ausgeschlagenen Zähne ihrer Gäste sammelt!


Sprache

Im Wesentlichen geht die Sprache der Solunterianer und die der Mitteländer auf einen gemeinsamen Ursprung zurück, das zumindest vor über 2500 Sommern fast überall gesprochen wurde. Als sich diese verfeindeten Völker das erste Mal in friedlichen Absichten begegneten, konnten sie einander notdürftig verstehen.

Das Solunterianische kennt keine Höflichkeitsform und keine Adelsansprache:
Jeder, vom Säugling bis zum Göttlichen, wird mit Du angesprochen. Der Solunterianer tut sich auch in anderen Sprachen schwer, sich dies abzugewöhnen. Die meisten Solunterianer, zumindest jene, die zur See fahren, sprechen neben dem Solunterianischen auch die Inländische Sprache des Landes, welches sie öfter anlaufen. Um einem Freund oder auch Feind seine Geringschätzung zu zeigen, wechseln die Solunterianer einfach in die bei den Fremdländern beliebte Sprachform der Dritten Person. Ein Solunterianer der sagt: Ihr seid ein ehrenhafter Gegner! würde höchstwahrscheinlich in Lachkrämpfe verfallen wenn sich der Angesprochene auch noch geehrt fühlen würde in Form einer solchen Anrede.

Aberglaube

Es scheint etwas Verborgenes hinter allen Göttern zu warten, das sich nicht besänftigen lässt, auf dessen dunkle Botschaften aber unbedingt gehört werden muss.

Die Angst vor dem Unbekannten ist so tief, dass sie auch nicht (wie bei vielen anderen Völkern) durch die Berücksichtigung zahlreicher Zeichen und Verhaltensweisen - was man im engeren Sinn als Aberglaube versteht - völlig gebannt werden kann. Der Solunterianer misstraut im Grunde seines Herzens dem Magier, Fetischen und Runen, die er in einer Vielzahl selbst verwendet, um des Geschickes böse Mächte gnädig zu stimmen, aber er sieht keine andere Möglichkeit, sich und die seinen davor zu schützen.


Götter

Dem Göttlichen gelten ihr ganzer Glaube und ihr ganzes Sinnen. Das erklärt sich aus der einfachen und sehr praktischen Weltsicht des Solunterianers: Das Göttliche ist alles und überall.

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